Mittwoch, 10. Juni 2015

Kritik an ETFs berechtigt?

In letzter Zeit lese ich vermehrt Artikel über die vermeintlichen Risiken der passiven Geldanlage in Form von ETFs (Exchange Traded Funds). Kurz zur Erklärung: Ein ETF ist ein Investmentfond, welcher direkt über die Börse gekauft und auch wieder verkauft werden kann. Ein ETF bildet üblicherweise die Wertentwicklung eines Index, beispielsweise des DAX oder des DOW Jones, ab. Die Wertentwicklung des ETF entspricht ziemlich genau der des Index.

ETFs wurden vor etlichen Jahren in den USA eingeführt. Mittlerweile erfreuen sich ETFs auch hierzulande wachsender Beliebtheit. Dies liegt vor allem an den deutlich niedrigeren Gebühren der ETFs im Gegensatz zu herkömmlichen Fonds, welche aktiv gemanagt werden.

Nun werden ETFs seit Kurzem zunehmend kritisch betrachtet. Diverse Finanzexperten beanstanden insbesondere zwei Punkte: Einmal lebt die Börse vom Kaufen und Verkaufen der Marktteilnehmer. Wenn die übergroße Zahl der Marktteilnehmer irgendwann nur noch passiv investieren würde, wären diese Marktentwicklungen wahrscheinlich gestört.

Zum anderen wird kritisiert, dass ETFs die Stimmrechte, welche der Anleger bzw. in diesem Fall die Fondsgesellschaft mit dem Kauf der Aktien erwirbt, meist nicht ausüben. Daraus folgt, dass auf Hauptversammlungen der Unternehmen zu wenig "Wahlbeteiligung" herrscht und demzufolge die Kontrolle der Unternehmensvorstände nur noch eingeschränkt funktioniert.

Meine Meinung: Ich kann diese Schwarzmalerei momentan nicht nachvollziehen. Eine zunehmend passive und langfristig ausgerichtete Investmentstrategie von Marktteilnehmern könnte auch dazu führen, dass die Uhren an den Börsen wieder etwas zurückgedreht werden und die Aktiencharts nicht mehr derart volatil verlaufen. Früher sprangen Aktienkurse nicht wild nach oben um im nächsten Moment wieder tief zu fallen, ohne dass sich in den Unternehmen in der Zwischenzeit etwas Essentielles verändert hätte. Und was die Wahrnehmung von Stimmrechten angeht: Diese nehmen die meisten Kleinanleger auch als Inhaber von Einzelaktien ohnehin kaum wahr. Nur wenige Kleinanleger gehen mit ihren paar Stimmen überhaupt auf Hauptversammlungen, denn dort ist von vornherein klar, dass die institutionellen Anleger mit großen Aktienpaketen die weitere Unternehmensausrichtung bestimmen.

Kommentare:

  1. Ich steig nicht ganz durch. Wieso nehmen ETF-Gesellschaften ihre Stimmrechte nicht wahr? Die können doch auch ganz einfach einen Verantwortlichen benennen und den dann auf die Hauptversammlung hinschicken, so wie es halt auch der Fondsmanager tut..
    Grüße

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  2. Wozu sollen ETF-Anbieter jemanden auf eine Hauptversammlung schicken?? Ihr Ziel ist es Investoren zu finden, welche passiv anlegen!

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  3. Richtig. Auch die wenigsten aktiven Vermögensverwalter nutzen ihre Stimmrechte auf Hauptversammlungen. Auch Buffett z.B. redet den Firmen nicht in ihr Alltagsgeschäft rein wenn er dem Management vertraut.

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